Wetter

Winterliche Ruhe vor der Warmwindattacke auf die Gesundheit

von Holger Westermann

Derzeit dominiert Hochdruckwetter Mitteleuropa, mit Nebel, Hochnebel oder Sonnenschein bei meist moderater Mittagstemperatur und Frost am frühen Morgen. Doch diese weitgehend winterliche Wetterlage wird wahrscheinlich wieder wärmerem Wind weichen. Denn ein Reigen heranziehender Atlantiktiefs verwirbeln die Atmosphäre und transportiert in mehreren Schüben Luft von den Azoren oder dem Mittelmeerraum nordwärts.

Aktuelle bestimmen die Hochdruckgebiete „Ekart I“ über England und „Ekart II“ über dem Balkan das Wetter von den Britischen Inseln bis zum Schwarzen Meer. Hierzulande herrscht weitgehend Windstille, mit Nebel und Hochnebel, im Bergland auch etwas Sonnenschein bleibt es meteorologisch „ruhig“. Für den Straßenverkehr geben Nebel, Glätte durch Tau- und Reifbildung sowie Glatteis Anlass für Gefahrenmeldungen.

Hochdruckwetterlagen sind oft stabil und garantieren mehrere Tage gleichförmige Bedingungen. Doch inzwischen schwächelt das Englandhoch „Ekart I“, während der Balkanbruder „Ekart II“ an Stärke gewinnt. So wird der Weg frei für das iberische Unwettertief „Ilka“, das nun Richtung Mitteleuropa nordostwärts ziehen kann. Entsprechend der Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum dreht der (zunächst schwache) Wind über Deutschland und Österreich allmählich auf Südwest und Süd. Damit gelangt zögerlich Warmluft vom Atlantik, dem Mittelmeer und Nordafrika nach Mitteleuropa.

Doch „Ilka“ ist lediglich der Türöffner für weitere Tiefs, die vom Atlantik heranziehen und warme Luft mitbringen. So plustert sich über dem Nordostatlantik das Tief „Kim“ zu einem kräftigen, steuernden Tief. Dessen Energie genügt den Hochdruckkomplex „Ekart“ ostwärts beiseite zu schieben. In den kommenden Tagen übernehmen die von Westen aufziehenden Tiefs die Wetterregie: die Lufttemperatur steigt und es wird stürmisch. Selbst in den Bergen schmilzt der Schnee im Warmluftsturm - mancherorts muss mit Orkan (> 117km/h Windgeschwindigkeit) gerechnet werden. Die genaue Zugbahn von „Kim“ und den wahrscheinlich sich abspaltenden Randtiefs lässt sich derzeit noch nicht vorhersagen.

Sicher ist aber, es wird rasant wärmer, windiger und regnerisch. Für viele Menschen sind das unerfreuliche Aussichten. Durch den Temperatursprung steigt das Risiko für Schwindelanfälle. Wer dazu neigt oder aus anderen Gründen manchmal unsicher auf den Beinen ist, sollte das Risiko berücksichtigen und Zeichen der Unsicherheit ernst nehmen. Ein anderer Aspekt des Wetterwechsels betrifft eher die psychische und mentale Verfassung: Wind und Regenschauer beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit, verstärken innere Unruhe und können die Schlafqualität beeinträchtigen. Diese Wettereffekte sind an sich schon eine erhebliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens, doch sie können Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Störungen verstärken und so ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen.

Quellen:

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Die Ruhe vor dem Sturm - Schmuddel-Wetter anstatt Winterfreuden! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 23.01.2020.

Erstellt am 23. Januar 2020
Zuletzt aktualisiert am 23. Januar 2020

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