Wetter

Märzwinter statt Vorfrühling

von Holger Westermann

Ein heftiger Spätwintereinbruch ist hierzulande gar nicht so ungewöhnlich. Meteorologen sprechen von „Singularitäten“ oder Witterungsregelfällen, wenn eine im Jahresverlauf ungewöhnliche, im Rückblick auf die Jahrzehnte aber immer wiederkehrende Wettersituation eintritt. Der „Märzwinter“ ist ein Kaltluftvorstoß, häufig begleitet von leichtem Schneefall, der zwischen Ende Februar und Anfang April den Vormarsch des Frühlings zurückdrängt.

Er wird als besonders unangenehm empfunden, wenn der vorangegangene Winter mild verlief – wie es in dieser Saison der Fall war. Gerade hatten sich die Menschen über die ersten Sonnenstahlen gefreut. Die Meteorologen sprachen schon vom „Vorfrühling“ als sich am ersten Märzwochenende sonniges und mildes Hochdruckwetter durchsetzte.

Das Besondere am heurigen Märzwinter ist, dass sehr viel Schnee fällt. Schon Mitte vergangener Woche strömte an der Vorderseite eines Atlantiktiefs (entgegen dem Uhrzeigersinn) feuchtwarme Atlantikluft nach Mitteleuropa. Gleichzeit kräftigte sich ein Hochdruckgebiet über Südskandinavien und schob mit nordöstlicher Strömung (im Uhrzeigersinn) kontinentale Polarluft südwärts. So bildete sich über Europa eine in West-Ost-Richtung verlaufende Luftmassengrenze, kalt im Norden und mild im Süden. Noch am Sonntagnachmittag herrschten in Deutschland zwischen der Uckermark und Schwaben ein Temperaturunterschied von mehr als 15°C.

An der Nordseite der Luftmassengrenze fällt Schnee, im Süden Regen. Darüber hinaus bildete sich an dieser Grenzfläche über Frankreich das kleine, aber intensive Tiefdruckgebiet „Xaver“ mit ungewöhnlich starkem Schneefall. Es zieht entlang dieser Lufmassengrenze nach Osten, vom Rheinland bis zu den Mittelgebirgen schneit es heftig und ausdauernd. Langsam dehnt sich die Kaltluft und der Schneefall nach Süden und Osten aus, verliert dabei aber an Intensität. Muss im Norden und Osten Deutschlands mit strengem Frost (kälter als -10°C) gerechnet werden, so fällt die Temperatur im Süden nur auf -5°C. In Österreich wird es von Mittwoch bis Donnerstag gebietsweise heftig schneien, stürmischer Wind kann zudem Verwehungen auftürmen. Die Tageshöchsttemperatur geht spürbar zurück, auch hier hält der Märzwinter Einzug.

Auch zum Wochenende hin soll es weiterhin regnen oder schneien, es bleibt kalt. Zwar gibt es wohl keinen strengen Frost mehr, aber immer noch glatte Wege und Strassen. Die abrupte Unterbrechung des Vorfrühlings dauert an, der Wechsel zum Hochfrühling findet frühestens in der zweiten Märzhälfte statt. Vielleicht klappt es ja zur Tag-Nacht-Gleiche am 20. März 2013 (12:02 Uhr), dem astronomischen Frühlingsanfang.

Quellen:

Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Märzwinter... . Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.03.2013

Erstellt am 12. März 2013
Zuletzt aktualisiert am 12. März 2013

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