Neue Leitlinie für Ärzte lenkt den Fokus auf Depression und Angststörung
Trauer und Angst machen müde
Diffuse Müdigkeit kann viele Ursachen haben. An erster Stelle stehen sicherlich notorischer Schlafmangel und Infektionskrankheiten wie Grippe oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Aber auch ernsthafte Erkrankungen wie Schlafapnoe, zu niedriger Blutdruck oder Blutarmut (Eisenmangel) und andere Mangelerkrankungen (Vitamin D, Folsäure) können andauernde Müdigkeit verursachen. Nun wurde eine neue Leitlinie für Hausärzte herausgegeben, die auch psychische Erkrankungen in den Fokus rückt.
Fast ein Drittel der über 16-jährigen fühlt sich manchmal oder häufig viel zu müde, auch wenn nur 3 bis 7 Prozent der Hausarztpatienten aus diesem Grund zum Arzt gehen. Zumeist tritt die Belastung der Patienten in einem ganz anderen Gesprächszusammenhang zutage. Bevor nun das gesamte Repertoire internistischer Untersuchungen zur Anwendung kommt, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) ein Arzt-Patienten-Gespräch entlang der jetzt aktualisierten Leitlinie zu Müdigkeit.
Neben Fragen zu Krankheitsgeschichte und aktuellen körperlichen Beschwerden, den Lebens- und Arbeitsumständen sowie zum Konsum von Genussmitteln, Medikamenten und Drogen werden auch vier Fragen zur psychischen Verfassung gestellt:
- Haben Sie sich in den letzten 4 Wochen oft niedergeschlagen / schwermütig / hoffnungslos gefühlt?
- Haben Sie wenig Interesse / Freude an Tätigkeiten gehabt?
- Hatten Sie nervliche Anspannungen / Ängstlichkeit / das Gefühl, aus dem seelischen Gleichgewicht zu sein?
- Hatten Sie in den letzen 4 Wochen Sorgen über vielerlei Dinge? - oder Angstattacken?
Werden diese Fragen mit „Nein“ beantwortet, so können psychische Störungen als Ursache der andauernden Müdigkeit mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Positive Antworten sollten jedoch als Alarmzeichen ernst genommen werden. Die DEGAM erinnert die Hausärzte daran, dass leichte und mittelschwere Depressionen (minor depression) auch von den Patienten selbst oft nicht richtig eingeschätzt werden, denn zumeist stehen die körperlichen Symptome im Vordergrund. Hier gilt es die Aufmerksamkeit auch auf mögliche psychische Ursachen für die andauernde Müdigkeit zu lenken.
DEGAM Leitlinie Müdigkeit: Kurzversion
DEGAM Leitlinie Müdigkeit: Patienteninformation
Quellen: Müller, T. (2012): Anamnese, Untersuchung und Labortest klären Ursache von belastender Müdigkeit. Ärzte Zeitung 31(25) vom 13.02.2012: 2 DEGAM Leitlinie Müdigkeit: Webseite
Erstellt am 29. Februar 2012
Zuletzt aktualisiert am 29. Februar 2012
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