Auch als „unbedenklich“ klassifizierte Feinstaubkonzentraiton bleibt nicht ohne Folgen
Großstadtluft schädigt Lunge, Herz und Hirn
Es ist ein langsamer aber stetiger Prozess. Der Feinstaub aus Ölheizungen und Verbrennungsmotoren schadet dem Gehirn. Die geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab, und das Schlaganfallrisiko steigt. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass schon eine geringe aber dauerhafte Konfrontation mit der Luftverschmutzung messbare Gesundheitsgefahren provoziert.
Das Forscherteam um Prof. Dr. Gregory Wellenius von der Brown University in Providence, Rhode Island (USA) nutzten die Umweltmessstation der Harvard School of Public Health in Boston um neben dem Ruß- und Feinstaubgehalt der Luft auch Messwerte für Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenmonoxid und Ozon sowie die Sulfatpartikel zu erhalten. Diese Werte wurden nun mit der Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen mit der Diagnose Schlaganfall im nahegelegenen Beth Israel Deaconess Medical Center verglichen.
Ausgewertet wurden Daten aus den letzten zehn Jahren. Das Ergebnis war eindeutig: Bereits eine moderate Feinstaubbelastung von 15-40 µg/m3 führte zu einem Anstieg der Wahrscheinlichkeit einen Schlaganfall zu erleiden. Aber schon bei niedrigeren Belastungswerten, die von der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) als noch unbedenklich eingestuft werden, zeigten sich deutliche Hinweise auf einen solchen Zusammenhang.
Ein interessantes Ergebnis zeigte die Analyse der tageszeitlichen Zusammenhänge zwischen dem Einatmen belasteter Luft und dem Auftreten von Schlaganfällen. Am höchsten war das Infarktrisiko 12 bis 14 Stunden nach der Konfrontation mit Feinstaub, Rußpartikeln und NO2 . Die Autoren sind sich sicher, dass neben den Heizungen vor allem die LKW mit Dieselantrieb zu den wichtigsten Verursachern zählen.
Die hirnschädigende Wirkung städtischer Luftverschmutzung stand auch im Fokus einer Studie des Forscherteams um Frau Prof. Jeniffer Weuve am Rush Institute for Healthy Aging in Chicago (USA), wenn auch ein ganz anderer Aspekt. Das Team wertete die Daten der Nurses’ Health Study Cognitive Cohort aus in der 19.409 ehemalige Krankenschwestern im Alter von 70 bis 81 Jahre über einen Zeitraum von 14 Jahren medizinisch untersucht und beobachtet wurden.
Auch hier waren die Ergebnisse eindeutig: Die andauernde Belastung mit Feinstaub und Ruß führten bei den alten Damen zu schlechteren Ergebnissen bei Intelligenztests. Ein Anstieg der Feinstaubkonzentration um 10 µg/m3 hatte dabei eine vergleichbare Wirkung wie das Altern um zwei Jahre. Eine 75jährige Großstadt-Krankenschwester zeigte bei den Tests die gleiche Leistung wie eine 77 Jahre alte Kollegin vom Lande.
Frau Prof. Weuve und ihr Team treten daher wie auch Prof. Wellenius und Kollegen dafür ein die Grenzwerte für Luftverschmutzung, insbesondere für Feinstaub und Ruß drastisch zu senken.
Quellen: Brook, R.D.; Rajagopalan, S. (2012): Can What You Breathe Trigger a Stroke Within Hours?: Comment on "Ambient Air Pollution and the Risk of Acute Ischemic Stroke". Archives of Internal Medicine 172(3):235-236.
Wellenius, G.A. et al. (2012): Ambient Air Pollution and the Risk of Acute Ischemic Stroke. Archives of Internal Medicine 172(3): 229-234
Weuve, J. et al. (2012): Exposure to particulate air pollution and cognitive decline in older women. Archives of Internal Medicine 172(3):219-227.
Feinstaub: Schlaganfall und kognitiven Abbau im Alter. Deutsches Ärzteblatt, online veröffentlicht am 14.02.2012
Erstellt am 22. Februar 2012
Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2015
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