Warnsignale richtig deuten, damit die Therapie Erfolg verspricht
Demenz oder Depression – Vergesslichkeit im Alter kann viele Ursachen haben
Vergesslichkeit ist eine Begleiterscheinung des Alterns, die jeden Menschen früher oder später heimsucht. Manche sind schwer betroffen, so dass man von einer Krankheit sprechen muss, bei anderen verläuft der Prozess langsam aber dennoch stetig. So die feste Überzeugung, die auch von vielen Medizinern geteilt wird. Doch stimmt diese Annahme überhaupt? Empfinden sich Menschen mit fortgeschrittener Biographie als zunehmend vergesslich und geistig weniger leistungsfähig?
In einer englischen Studie zur subjektiven Beeinträchtigung des Gedächtnisses (subjective memory impairment, SMI) wurden 13.090 repräsentativ ausgewählte Personen befragt, u.a. ob sie sich für vergesslich halten. Geantwortet haben 57 % der Befragten (7.461), davon schätzte sich rund ein Drittel (2.168 entspr. 31,7 %) als zunehmend vergesslich ein.
Eine genaue Analyse der Daten zeigte jedoch erstaunliche Ergebnisse: Die Hypothese, dass sich mit steigendem Alter ein Gefühl von zunehmender Vergesslichkeit und abnehmender geistigen Leistungsfähigkeit einstellt, ist offensichtlich falsch. Als Faktoren für ein SMI-Empfinden wurden vielmehr Angstzustände, depressive Störungen und allgemeine gesundheitliche Beschwerden (somatoforme Störung) identifiziert.
Die SMI kann sicherlich auch auf eine beginnende Demenz hinweisen, aber nach den Ergebnissen dieser Studie sollten auch andere Erkrankungen für eine möglichen Therapie in Betracht gezogen werden. Gerade die psychischen Erkrankungen, die auch im Alter erstmalig auftreten können, verdienen besonderes Augenmerk. Sicherlich kann SMI ein Vorzeichen für Demenz sein, aber ebenso gut kann sich dahinter ein unspezifisches Symptom für eine psychische Verstimmung oder Erkrankung verbergen, so das Fazit der Studie.
Quellen: Cooper, C. et al. (2011): The meaning of reporting forgetfulness: a cross-sectional study of adults in the English 2007 Adult Psychiatric Morbidity Survey. Age and Ageing 40: 711-717
Erstellt am 6. Februar 2012
Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2012
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