Wetter

Eiswein, ein positiver Effekt extremer Kälte

von Holger Westermann

Eiswein

Winzer mit Mut und hochwertigen Weißweinreben freuen sich über die aktuelle Wetterlage. In sternklaren Frostnächte mit einer Lufttemperatur deutlich unter -7°C zogen sie zur letzten Lese (Ernte) des Jahrgangs 2016 in die Weinberge. In den letzten Jahren vergammelten die wertvollen Trauben bei lauem Winterwetter am Stock, heuer (in diesem Jahr) konnte wieder Eiswein gelesen werden.

Sturmtief „Axel“ kühlte Mitteleuropa kräftig ab, Hoch „Angelika“ und Tief „Benjamin“ brachte dann markante Kälte und Schnee (oder Eisregen). Der deutliche Temperaturrückgang war für wetterempfindliche Menschen ein spürbares Gesundheitsrisiko, Autofahrer mussten ihren Fahrstil den veränderten Straßenverhältnissen anpassen (was nicht allen gelang) und die Liebhaber edelsüßer Weißweine dürfen sich auf einen Eiswein-Jahrgang 2016 freuen.

Auch wenn die Trauben erst im Januar 2017 gelesen wurden, gereift sind sie im Sommer 2016. Die Winzer ließen einige Rebreihen stehen und hofften auf einen trockenen Spätherbst, der Fäulnis fern hielt und alsbaldigen strengen Frost. Unterhalb von -7°C gefriert das Wasser in den Trauben zu Eis. Der Traubensaft (Most) wird dadurch sehr süß und extraktreich - sofern die Trauben gefroren abgepresst werden. Je kälter es in den Lesenächten ist, um so intensiver funktioniert diese natürlich Mostkonzentration.

Deutschland und Österreich haben die längste Eiswein-Tradition, inzwischen liefern die USA und Kanada zuverlässig (in jedem Jahr) große Mengen ice-wine. Hierzulande sind Frostnächte nicht garantiert, so dass die Winzer oftmals die Trauben verloren geben müssen. Heuer sanken die Lufttemperatur-Tiefstwerte unter -20°C; in den Weinbauregionen Hessen, Pfalz, Baden, Württemberg, Franken und in Österreich auf -7,6°C (Rheingau) bis -11°C (Kaiserstuhl).

Solch strenger Frost entsteht typischerweise bei Strahlungswetter; bei wolkenlosem Himmel nach sternklarer Nacht. Die tiefsten Werte werden rund eine Stunde nach Sonnenaufgang gemessen. Dann konnte trotz Frost die Restwärme des Bodens (-1°C bis -15°C) die gesamte Nacht über ins Weltall (- 273°C) abstrahlen. Erst wenn die Sonne den Boden wieder wärmt (die Wärmeeinstrahlung größer ist als die Wärmeabstrahlung), steigt auch die Temperatur der darüber liegenden Luftschicht wieder an.

Gemäß internationaler Vereinbarung messen Meteorologen die offizielle Tagestiefsttemperatur frühmorgens um 7:00 Uhr Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Im Winter ist das noch vor Sonnenaufgang und damit noch nicht der niedrigster Wert des Tages. In Deutschland (Frankfurt/Main) geht die Sonne zum Jahreswechsel etwa um 08:15 Uhr auf, in Wien bereits um 7:45 Uhr. Die Tiefstwerte werden bei wolkenlosem Himmel erst gegen 09 Uhr erreicht, also deutlich nach dem Zeitpunkt der Wettermeldung um 7 Uhr. Deshalb wird um 10:00 Uhr noch einmal gemessen - wenn die Sonne schon wieder wärmend wirksam wird.

Die Eisweinlese begann daher frühmorgens gegen 6:00 Uhr, noch bevor der erste Sonnenschimmer den Himmel schummrig erhellt. Doch den Winzern ist wichtig, die maximale Kälte zu nutzen, damit sich das Lesegut bis zum Abpressen nicht über -7°C erwärmt. Nur dann darf der Wein als Eiswein verkauft werden.

Quellen:

Dipl.-Met. Christoph Hartmann: Minima der Nacht. Immer der wirkliche Tiefstwert? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 07.01.2017

Dipl.-Met. Christoph Hartmann: Eiswein. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 08.01.2017

Erstellt am 9. Januar 2017
Zuletzt aktualisiert am 10. Januar 2017

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