Aktueller Impfstoff schützt zuverlässig

Grippewelle 2014 schwappt nach Mitteleuropa

von Holger Westermann

Die Influenzasaison hat nun auch in Deutschland und Österreich begonnen. In Baden-Württemberg ist bereits eine 31-Jährige an Grippe mit nachfolgender Lungenentzündung gestorben. Die aktuelle Welle gelangt von Süden aus Bulgarien, Griechenland, Portugal und Spanien nach Mitteleuropa. Dort wird bereits ein deutlicher Anstieg der Erkrankungszahlen registriert. Die Analyse des Virustyps ergab, dass die diesjährigen Impfungen wirksam sind.

Hierzulande ist die Grippe-Aktivität noch schwach, doch das könnte sich in den kommenden Wochen rasant ändern. Dazu trägt auch das vergleichsweise milde Winterwetter bei. Bisher war es für die Viren zu warm. In der feuchten Luft draussen und in den Wohnungen überleben sie nur rund 30 Minuten. Bei frostigem Wetter enthält die Luft im Freien kaum noch Feuchtigkeit und drinnen wärmt trockene Heizungsluft. Das sind ideale Bedingungen für Viren, sie überdauern dann mehrere Stunden außerhalb des Körpers.

Deshalb sind nun Schutzmaßnahmen gegen Grippeviren empfehlenswert, beispielsweise eine gute Handhygiene oder den innigen Kontakt mit Erkrankten zu meiden. Wer vermutet sich eine Grippe eingefangen zu haben, sollte aus Rücksicht auf die Mitmenschen zu Hause bleiben. Die Präsenz Erkrankter am Arbeitsplatz, gedacht als Demonstration des eigenen Leistungswillens, führt zwingend ins betriebswirtschaftliche Desaster, wenn sich ein Gutteil der Kollegen ansteckt. Mit Viren kontaminierte Taschentücher gehören nicht in einen offenen Papierkorb, sondern in geschlossene Mülleimer. Gerne in den Hausmüll/Restmüll, denn dessen feuchtes Mikroklima ist ein effektiver Virenkiller.

Deshalb raten kanadische Forscher nun auch von Fiebersenkern (Antipyretika) zur Influenza-Therapie ab. Wird das Fieber durch Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®), Ibuprofen oder Paracetamol unterdrückt, verzögert sich die Grippe-Genesung - denn das Fieber ist eine evolutionär bewährte Abwehrmaßnahme des Körpers gegen Virus-Infektionen. Zudem zwingt das Fieber mit erhöhter Körpertemperatur, Schwitzen, Appetitlosigkeit und geringer Muskelleistung die Menschen zur Bettruhe. Dadurch entgehen sie zusätzlichen Belastungen und vermeiden es andere anzustecken. So schützt der Verzicht auf fiebersenkende Medikamente nicht nur den einzelnen Erkrankten, sondern verhindert mittelbar weitere Grippefälle – und damit auch potentielle Todesfälle.

Quellen:

Beginn der Grippewelle in Europa. Deutsches Ärzteblatt, online veröffentlicht am 20.01.2014

Earn, D.J.D. et al. (2014): Population-level effects of suppressing fever. Proceedings of th Royal Society Biological Sciences 281(1778), online veröffentlicht am 18.12.2013. doi: 10.1098/rspb.2013.2570

Westermann, H. (2013): Hohe Luftfeuchte schützt vor Grippe. Menschenswetter, online veröffentlicht am 26.11.2013.

Erstellt am 22. Januar 2014
Zuletzt aktualisiert am 10. April 2014

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