Arbeitsdruck, Beziehungsprobleme, finanzielle Sorgen belasten besonders stark

Gefühlter Stress provoziert den Herzinfarkt

von Holger Westermann

Heutzutage gilt Stress als ein zentrales Gesundheitsrisiko. So zeigen gestresste Menschen physische oder psychische Reaktionen wie Konzentrationsschwäche, Schwankungen der Motivations- und Leistungsfähigkeit, depressive Stimmung aber auch Migräne, Hautprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine aktuelle Studie untersuchte, ob die objektive Stressbelastung oder das subjektive Stressempfinden einen größeren Einfluss auf die Gesundheit der Betroffenen ausübt.

In der aktuellen Studie (Whitehall II) wurden rund 7.000 britische Beamte gefragt, inwieweit sich der Stress oder psychische Druck, den sie gegenwärtig erlebten, auf ihre Gesundheit auswirke. Antworten konnten sie auf dem Gradienten einer 5-teiligen Lickert-Skala: "überhaupt nicht" - "ein wenig" - "mäßig" - "stark" - "extrem". Zudem wurden Personendaten erhoben (Alter, Geschlecht, Familienstand, ethnischer Zugehörigkeit und sozioökonomischer Status) sowie zu Gesundheit und Lebensstil (Zigaretten- und Alkoholkonsum, Ernährung und körperliche Aktivität aber auch Blutdruck, Diabetes, Body Mass Index).

Rund 8% der Männer und Frauen gingen davon aus, dass ihre Gesundheit durch den aktuell auf sie einwirkenden Stress „stark“ oder sogar „extrem“ gefährdet sei. Diese besonders durch Stress belasteten oder gegenüber Stress besonders sensiblen Menschen trugen ein mehr als doppelt so hohes Risiko eine koronare Herzkrankheit (KHK) zu entwickeln oder gar einen Herzinfarkt zu erleiden als ihre weniger belasteten Kollegen. Anderen Einflussgrößen des Lebensstils oder der Krankheitsbiographie, zu denen über einen Zeitraum von 18 Jahren hinweg regelmäßig Daten erhoben wurden, hatten keinen Effekt oder wurden statistisch herausgerechnet.

Trotz einiger methodischer Probleme bei Konzeption und Durchführung der Studie sind sich die Autoren sicher, dass die Ergebnisse einen wichtigen Beitrag zur Stressforschung leisten. So wird allseits von einer ständig wachsenden Belastung der Menschen durch Stress, Angst und Sorgen ausgegangen, doch nur bei dem geringen Teil der Befragten, die den persönlichen Stress als „stark“ oder sogar „extrem“ gesundheitsgefährdend empfand (8%), konnte tatsächlich ein stressbedingt erhöhtes KHK-Risiko festgestellt werden. Offensichtlich ist nicht der tatsächlich erlebte, sondern vielmehr der subjektiv wahrgenommene Stress ein Risiko für die Herzgesundheit. Die Forscher um Dr. Hermann Nabi fordern daher in ihrem Fazit, dass sowohl die Forschung als auch die Aufmerksamkeit der Ärzte sich weniger auf die objektiv messbaren Stressparameter fokussieren sollte, als vielmehr auf die Stresserfahrung und die subjektive Belastung der Patienten achten müsse.

Quellen:

Nabi, H. et al. (2013): Increased risk of coronary heart disease among individuals reporting adverse impact of stress on their health: the Whitehall II prospective cohort study. European Heart Journal, online veröffentlicht am 26. Juni 2013. doi: 10.1093/eurheartj/eht216.

Erstellt am 1. Juli 2013
Zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2013

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