Wetter

Gefrorener Boden saugt Wärme aus der Luft

von Holger Westermann

Kaltluft ist zäh wie Honig und lässt sich durch einströmende Warmluft nur zögerlich beiseite schieben. Gelingt es endlich, entwickelt sich ein deutlicher Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. Tagsüber unterstützt Sonnenschein die Wärme, nachts saugt der Bodenfrost sie wieder auf.

Der Januar (Jänner) 2017 war der kälteste seit 30 Jahren. Dabei war die Schneedecke oft lückenhaft, so dass den Böden die schützende Isolierschicht fehlte. Die Frosteindringtiefe erreichte vielerorts 20 bis 50 cm. Kübelpflanzen in Freien droht ein durchgefrorener Wurzelballen. Taut im Sonnenschein oder unter Einfluss einströmender Warmluft die oberer Bodenschicht an, garantiert der Kühlakku-Effekt im Verlauf der Nacht erneuten Bodenfrost am Morgen. Die Glatteisgefahr bleibt so noch eine Weile virulent.

Für nachhaltige Frühlingswärme bedarf es mächtige Mengen milder Luftmassen vom nahen Ostatlantik oder noch besser aus dem westlichen Mittelmeerraum. Heranziehende Atlantiktiefs (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum), die möglichst zentral über Frankreich oder knapp nördlich über Großbritannien gegen Mitteleuropa ziehen, sind die idealen Zulieferer solcher Warmluftmassen. Eine solche Warmlufttransportmaschine, das Tief „Hubert“, liegt derzeit westlich der Britischen Inseln. Die Sogwirkung für Warmluft ist so mächtig, dass im Westen Deutschlands, entlang von Ober- und Niederrhein zweistellige Temperaturmaxima bis nahe 15°C erwartet werden.

Im Osten will der Winter jedoch nicht weichen. Dort verharrt die Lufttemperatur um den Gefrierpunkt und fällt nachts mancherorts auf -9°C. Es bleibt vorerst beim Dauerfrost. Nur ganz zaghaft breitet sich die wärmere Luft ostwärts aus. Zu zögerlich, um dort einen deutlich spürbaren Temperaturanstieg zu bewirken. Denn das Zentrum des Tiefdruckkomplexes zieht nicht weit genug gen Osten, um auch dort für Warmluftzustrom zu sorgen.

Das Verharren des Tiefs im Westen stabilisiert den Warmlufttransport nach Nordeuropa und initiiert dort ein kräftigen Hochdruckgebiet (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum). Dieses Hoch blockiert den weiteren Zug des Tiefs nach Osten und schwächt es ab. Gleichzeitig lenkt es kühle Festlandsluft aus Osteuropa in den Nordosten Mitteleuropas. Tiefdruck, der frühlingshafte Wärme bringt und Hochdruck, der den winterlichen Dauerfrost verlängert, ringen um die Vorherrschaft über die Wettergestaltung in Mitteleuropa - der Ausgang ist derzeit ungewiss.

Der Frühling wird auch bei weiterem Warmluftzufluss nicht sofort ausbrechen, denn im Februar liegt über weiten Flächen Europas noch zähe Kaltluft. Der sehr kalte Januar wirkt nach. Über dem gefrorenen Boden sinkt die Lufttemperatur nachts immer wieder in Frostnähe, mancherorts auch darunter. Im Südosten Mitteleuropas fällt immer wieder Neuschnee. In Wien letztens während einer Nacht rund 10cm.

Für die weitere Entwicklung sind zwei Szenarien möglich:

  • Bleibt der Tiefdruckkomplex „Hubert“ robust, ändert sich vorerst nichts an der Pattsituation zwischen Frühfrühling im Westen und Spätwinter im Osten.
  • Obsiegt jedoch das Skandinavienhoch und schwächelt das Tief, wird wieder Kaltluft aus Osten angezapft und der Winter kehrt nach Mitteleuropa zurück.

Quellen:

Dipl.-Met. Marcus Beyer: "Der Frühling und der Winter, die hatten einen Streit“. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 01.02.2017

Erstellt am 1. Februar 2017
Zuletzt aktualisiert am 1. Februar 2017

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Tiefdruckpolonaise

Stürme und Regen zerzausen die Narrenkappen. Sieben Tiefdruckgebiete ziehen in dichter Folge heran, mit orkanartigen Böen, Dauerregen, Tauwetter, Gewitter und Schnee. Besonders intensiv trifft es die närrische Diaspora entlang der Küste und in Nordostdeutschland; insofern verschmerzbar. Doch auch das Rheinland wird es über Karneval stürmisch und regenreich treffen. Die alemannischen Hästräger kommen vergleichsweise glimpflich davon. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Risikokombi Rheuma und Sodbrennen

Das verschreibungspflichtige Vitamin-B9-Analogon Methotrexat hat sich bei Menschen mit Rheumatoider Arthritis zur dauerhaften Therapie bewährt, um die Aktivität des Immunsystems zu regulieren. Rezeptfrei erhält man in Apotheken Säurehemmer gegen aggressives Sodbrennen. Die Kombination beider Medikamente provoziert Schmerzen und belastet die Nieren. weiterlesen...


Temperatursturz unterstützt Grippe Infektion

Der aktuelle Wetterwechsel von regnerisch mild zu kalt und trocken könnte die heuer (in diesem Jahr) ohnehin schon kräftige Grippewelle noch einmal verstärken. Dabei ist nicht die Temperatur relevant, sondern die damit einhergehende Reduktion der Luftfeuchte. Kaltluft trägt sehr viel weniger Wasserdampf als warme Luft. Wird die winterliche Luft in Wohnungen aufgeheizt, sind absolute und relative Luftfeuchte extrem niedrig: Ideale Bedingungen für Viren. weiterlesen...


Optimisten leben nicht nur besser sondern auch länger

Wer darauf vertraut, dass sich eine kritische Situation, der kommende Tag und das Leben insgesamt positiv entwickeln wird, entspannt nicht nur Geist und Gemüt, sondern verbessert auch die Gesundheit. Optimismus zahlt sich offensichtlich besonders für Frauen aus. weiterlesen...


Auch Wochenend-Training ist effektiver Gesundheitsschutz

Gute Vorsätze für die Gesundheit scheitern bei Berufstätigen oft an der ästhetischen Bildung. Im Winter ist der lichte Tag so kurz, dass Frischluftaktivitäten im Finstern stattfinden müssten. Bis zum Sommer mit langen lauen Abenden hält der Elan nicht vor. Andererseits scheuen Fitnesseinsteiger mit Restbeständen an Selbstachtung hellerleuchtete Studios, die zur öffentlichen Präsentation des optimierungsbedürftigen Körpers zwingen. Parallel Karriere und Athletik verbessern -  ein Paradox? Neue Erkenntnisse geben Hoffnung: Das gesundheitsförderliche Training kann auch komplett am Wochenende absolviert werden. weiterlesen...