Wetter

Hinter dem ersten Türchen im Adventskalender schneit es

von Holger Westermann

Der November 2020 verabschiedete sich hierzulande mit Sonnenschein. Doch dann streifte von Nordwesten die Warmfront des kleinräumige Tief „Undine II“ über die Landschaft. Im Nordwesten regnete es, im Süden und Südosten sowie in den Mittelgebirgen fiel der erste Schnee der Saison. In der Übergangsregion konnte der Schnee auch schmelzen, aber beim Kontakt mit dem frostigen Boden sofort wieder gefrieren. Gefrierender Regen machte Straßen und Wege gefährlich glatt.

Derzeit dominiert das Azorenhoch das Wettergeschehen über dem Atlantik und weitet seinen Einflussbereich sogar noch weiter nördlich aus. Auf der anderen Seite Mitteleuropas verliert das Hoch „Willy“ über Osteuropa an Kraft und verlagert sich südostwärts. Die Hochdruckbrücke bröckelt und macht Platz für einen Ableger des Tiefs „Undine“, das vor der Nordküste Norwegens liegt. „Undine II“ zieht von über Dänemark nach Nordwestdeutschland, behält dabei aber Kontakt zum Muttertief. Der Tiefausläufer zieht einmal von Nord nach Süd über Deutschland und Österreich hinweg.

Damit ist der Wetterwechsel vom Hochdruckeinfluss mit ruhigem, teils zu dichtem Nebel oder Hochnebel zu unbeständigem Tiefdruckwetter perfekt.  An der Westflanke des Tiefdruckkomplexes strömt kaum erwärmte Polarluft über die unter Hochdruckeinfluss in sternklaren Nächten stark abgekühlte bodennahen Luftschichten. Diese Konstellation garantiert Niederschlag - doch in welcher Konsistenz?

Im äußeren Nordwesten bis zum Rothaargebirge, Westerwald und Hunsrück sollte es sicherlich regnen. Allenfalls in Kältetälern des Berglandes, wo Kaltluft zusammenfließt und den Boden auf Frostniveau herunterkühlt, konnte der Niederschlag gefrieren. Problematisch war die Prognose für die Landschaften im Südosten Deutschlands. Vor allem in Rheinland-Pfalz und dem Südwesten Hessens zeigten die Wettermodelle die gesamte Breite verschiedener Niederschlagsphasen. Regen und Schnee waren genauso möglich wie gefrierender Regen mit Glatteisbildung.

Oftmals war die Luft in mittlerer Höhe wärmer als direkt über dem Boden. Hohe Wolken waren gesättigt mit Eiskristallen. Was den Boden erreichte blieb zu Kristallen gefroren oder gefror - zuvor geschmolzen - dann wieder zu Eis. Für Meteorologen sind das hoch spannende Bedingungen, sind präzise Prognosen gefordert, aber ein Graus. Der Schneeräumdienst möchte wissen, ob er in der Nacht zum Einsatz kommt oder ob die Notmannschaft wieder nach Hause geschickt werden kann. Im Umkreis von 50 Kilometer um den Standort Offenbach (Zentrale des Deutschen Wetterdienstes, DWD) meldeten unablässig die aktuellen Niederschlagsphasen zu. Zwischen 20 Uhr und Mitternacht wechselte die Niederschlagsart zwischen Regen, Eiskörnern und Schnee hin und her. Zum Teil waren alle Arten gleichzeitig vertreten.

Insofern war der Blick aus dem Fenster ebenso spannend wie das Öffnen des ersten Türchens am Adventskalender: Niemand wusste zuvor, was heute zu erwarten war. Doch genau das ist ja der Reiz dabei.

Quellen:

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Spätherbst kontra Frühwinter mit der spannenden Frage der Wettererscheinung. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 30.11.2020

Dipl.-Met. Julia Fruntke: Meteorologischer Winteranfang mit weißer Pracht und Glatteisgefahr. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 01.12.2020

Erstellt am 1. Dezember 2020
Zuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2020

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