Wetter

Stabile Tiefdrucklage

von Holger Westermann

Reden Meteorologen von einer stabilen Wetterlage, so ist meist von raumgreifenden Hochdruckgebieten die Rede. Tiefdruckgebiete garantieren dagegen Dynamik in der Atmosphäre, lang anhaltender Tiefdruckeinfluss beschreibt dann einen Reigen durchziehender Tiefdruckgebiete. Doch manchmal etabliert sich auch eine stabile Tiefdrucklage - wenn Hochdruckgebiete ein Tief festhalten.

Nachdem das Tief „Brigitte“ weite Regionen in Nordfrankreich und Italien flutete, zieht nun „Doris“ heran. Das Wetter in Mitteleuropa wird wieder über dem Nordatlantik gemacht. Die Tiefs entstehen vor Grönland, wenn sich große Kaltluftmengen vom Vorrat der Polarluft über dem Nordpol abschnüren und sich, vom Starkwindband in 9.000m Höhe (Jetstream) geleitet, ostwärts bewegen. Je wärmer die dabei überströmte Wasserfläche ist, um so mehr Energie (und Wasserdampf) gewinnt das Tief.

Jetzt im Herbst füllt sich der Vorrat an eiskalter Polarluft aus dem sich die Tiefdruckgebiete bilden, während der Golfstrom im Atlantik und in der Nordsee das immer noch warme Wasser für Energienachschub sorgen. Ideale Bedingungen für kräftige Sturmtiefs, die eine enorme Wassermenge transportieren. Ziehen diese Tiefdruckgebiete rasch über Mitteleuropa hinweg, verteilt sich der Niederschlag recht gleichmäßig über die Landschaft. An den Staulagen der Mittelgebirge etwas mehr, im Windschatten der Gipfel etwas weniger.

Ganz anders entwickelt sich die Situation, wenn ein Tief ortsstabil verharrt. Dann ergießt sich die gesamte Niederschlagsmenge über eng begrenzten Regionen. Nach dem Tief „Brigitte“, das in Spanien, Frankreich und Italien als Unwetter wütete, erreicht nun„Doris“ Südwest- und Mitteleuropa. Während normale Tiefs rasch vorüber ziehen und sich dann über Skandinavien der Ostsee und dem Baltikum auflösen, ändert „Doris“ die Zugbahn Richtung Südost und legt sich mit seinem Zentrum direkt über Deutschland. Genau dort wird die kalte Luftmasse von zwei kräftigen Hochdruckkomplexen festgehalten, einem über der Biskaya, der sich über Westfrankreich und den Britischen Inseln bis nach Island erstreckt und einem anderen, der von Russland aus bis nach Polen und Norditalien reicht. Südlich der Alpen verschmelzen die Hochdruckzonen. „Doris“ gleicht einem schmalen Streifen, der sich sehr langsam ostwärts verlagert und genau dort wird es stürmisch und sehr ausgiebig regnen - zunächst im Westen und Südwesten, später im Osten und Norden. Die gefühlte Temperatur liegt dann deutlich unter dem Thermometerwert.

In Österreich bleibt es dagegen zunächst weitgehend sonnig, erst am Samstag zieht von Westen Regen auf, der Osten des Landes wird ab Sonntag nass. Derweil klart es in Deutshcland wieder auf - doch durch die Kaltluft ist es dann durchweg sehr frisch. Frühmorgens kann es in ungünstigen Lagen nach sternklaren Nächten auch schon ersten Frost geben.

Quellen:

Dipl.-Met. Martin Jonas: Die Entwicklung von Tief DORIS. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 07.10.2020

Erstellt am 9. Oktober 2020
Zuletzt aktualisiert am 9. Oktober 2020

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