Wetter

Reichlich Regen durch Reigen kräftiger Atlantiktiefs

von Holger Westermann

Ein Novemberwetter wie aus dem Bilderbuch: Grauer Himmel, Regen, Wind und nur sporadisch Sonnenschein. Dabei werden die lichten Tage rasch kürzer, damit schrumpft auch die Zeit für eine Erwärmung des Bodens und der bodennahen Luftschicht durch Sonnenstrahlung. Er wird sukzessive kälter. Alsbald fällt auch in den Mittelgebirgslagen der erste Schnee der Saison.

Bei nasskaltem Wetter sinkt die gefühlte Temperatur noch deutlicher als der Thermometerwert. Die hohe Luftfeuchte bei Regen und kühler Lufttemperatur entzieht dem Körper Wärme, Wind verstärkt den Effekt. Das kann man im Freien unmittelbar spüren. Wärmende Kleidung ist deshalb dick gepolstert und winddicht. So hält man eine vergleichsweise dünne Luftschicht körpernah in stabiler Position - die man rasch aufheizen kann. Wer sich dabei bewegt, beispielsweise spaziert, beschleunigt das Wärmeempfinden.

Andererseits genügt vielfach schon ein Blick durchs Fenster auf das Schmuddelwetter draussen, dass man zu frösteln beginnt. Die Erinnerung an windige Regenkälte genügt, um Gänsehaut zu provozieren - obwohl man sich in heizungswarmer Wohnung befindet. Besonders intensiv erwärmte Räume verleiten zu leichter Kleidung, die an Sommergarderobe erinnert. Dann ist der psychologische Kälteeffekt besonders effektiv. Angenehmer wäre es, die Thermostate herunter zu regeln und auch „drinnen“ Pullover zu tragen. Dabei kann man Heizkosten sparen und das Körpergefühl verbessern.

Den aktuellen Schauerregen oder Dauerregen mit Aufheiterungen verursacht ein kräftiger Kaltluftvorstoß über Nordatlantik und Nordsee bis hinunter zur Mittelmeerküste von Spanien, Frankreich, Italien und entlang der Adria. 200 bis 300 Liter pro Quadratmeter sind möglich. Damit muss regional entlang der Flüsse mit Hochwasser gerechnet werden. In den Alpen kann es derweil kräftig schneien. Über Oberitalien bildet sich ein kleines lokales Tiefdruckgebiet (Luftzirkulation entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum), das an seiner Westflanke den Polarlufttransport nach Süden weiter verstärkt.

Typisch für solche Tiefdruckgebiete ist die Tendenz nordwärts zu wandern - direkt nach Mitteleuropa. Dann könnte es auch hierzulande kräftig regnen und dabei nochmals deutlich kälter werden; ein erster Wintereinbruch Mitte November. Wenige Wochen zuvor erreichten die Tagesmaxima während einer Spätsommerepisode noch 25°C und mehr. Nicht nur für wetterempfindliche Menschen ist so ein rasanter Wetterwechsel eine ernsthafte Herausforderung für Gemüt und Gesundheit.

Bleibt die Nordlandtour des Italientiefs aus, darf dennoch nicht mit Wetterberuhigung gerechnet werden. Dann setzt sich der Reigen heranstürmender Atlantiktiefs ohne Unterbrechung fort. Der Wasserdampf für die Wolken und den Regen entstammt dann dem Nordatlantik und nicht dem Mittelmeer - für die begossenen Menschen und Landschaften wird der Unterschied jedoch kaum spürbar sein. Mit jedem Regenguß wird es kühler und der zeitweise kräftige Wind wird das Frösteln verstärken.

Quellen:

MSc.-Met. Sebastian Schappert: Eine Tiefdruckserie, die es in sich hat. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 04.11.2019

Erstellt am 7. November 2019
Zuletzt aktualisiert am 7. November 2019

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