Enge Definition wird der Vielfalt möglicher Gründe für chronische Überlastung nicht gerecht

WHO definiert Burnout

von Holger Westermann

„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Burnout erstmals offiziell als Krankheit anerkannt.“ liest man derzeit auf vielen Nachrichtenseiten. Doch tatsächlich steht in der WHO-Meldung: Burn-out ist (… ein) berufliches Phänomen, es ist nicht als ein medizinischer Zustand eingestuft. Es wird im Kapitel „Einflussfaktoren auf den Gesundheitszustand oder den Kontakt mit Gesundheitsdiensten“ beschrieben. Darin sind Gründe aufgeführt, aus denen Personen mit Gesundheitsdiensten in Kontakt treten, die jedoch nicht als Krankheiten oder Gesundheitszustände eingestuft werden.

Nach dieser neuen Definition ist Burnout ein Syndrom (Kombination mehrerer Symptome, die typischerweise gleichzeitig und gemeinsam auftreten), das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz auftritt. Insofern beschränkt sich Burnout auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte auch nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen angewendet werden. Sozialer Stress oder Überlastung durch Aufgaben in der Familie, wie Kindererziehung oder Pflege von Hilfsbedürftigen, können nach dieser Definition nicht zu einem Burnout führen.

Für viele Menschen, die sich selbst zu den potentiell Betroffenen zählen, ist diese enge Auslegung eine Enttäuschung, da mit dem Begriff Burnout die chronische Überlastung durch Ansprüche aus Beruf, Familie und dem weiteren sozialem Umfeld gut zu beschreiben wäre.

Quellen:

WHO (2019): Burn-out an "occupational phenomenon": International Classification of Diseases. Online veröffentlicht 28.05. 2019.

Erstellt am 18. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 18. Juli 2019

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