Männer sind immer noch häufiger betroffen als Frauen

Mehr COPD Diagnosen

von Holger Westermann

In Deutschland stellen Ärzte immer häufiger die Diagnose Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versor­gung in Deutschland (Zi) meldet eine „relative Zunahme von 25 Prozent“.

COPD (chronic obstructive pulmonary disease) ist eine fortschreitende und bislang nicht heilbare Lungenerkrankung.. Typische Symptome sind Atemnot, Husten und Auswurf. Besonders am Morgen beim Aufstehen plagen lang anhalten Hustenattacken mit Schleimabsonderung, der Raucherhusten. Bei der COPD verengen sich die Atemwege (Obstruktion), die im Krankheitsverlauf zunimmt und von entzündlichen Prozessen begleitet wird. Dabei Verschmelzen Lungenbläßchen irreversibel und die Leistungsfähigkeit der Lunge nimmt ab. Erste Symptome der Erkrankung treten ab dem 40. Lebensjahr auf, die Behandlung erfordert eine lebenslange Therapie. So leiden derzeit mehr als die Hälfte der dauerbeatmeten Patienten (58%) an einer COPD.

Dabei müssen immer noch deutlich mehr Männer als Frauen mit der Diagnose COPD leben. Im Jahr 2009 waren es 5,9% der Männer und 4,2% der Frauen (gemeinsam 5,1%). Im Jahr 2017 waren bereits 6,7% der Männer und 5,9% der Frauen betroffen (gemeinsam 6,4%). Betrachtet man die dynamische Veränderung in den unterschiedlichen Alterskohorten, so stiegt die Zahl der Neudiagnostizierten mit dem Alter an, von 8% der 40-44-Jährigen auf 35% der 70-74-Jährigen (insgesamt 25%).

Waren untern den jüngsten Neupatienten (40-44-Jährig) die Männer (11% Steigerung) deutlich stärker repräsentiert als die Frauen (4% Steigerung), so dreht sich diese Relation in den älteren Jahrgängen um. Mit der Alterskohorte 60-64 erreichen die Männer mit einer Steigerung von 30% ihr Maximum der relativen Zunahme, unter den älteren ist der sogar Wert marginal rückläufig. Unter den Frauen steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Neudiagnose dagegen weiter an, in der Kohorte 55-59 überholt sie die der Männer knapp, in der Kohorte 70-74 überflügelt sie mit 43% zu 28%.

Dabei handelt es sich um Steigerungsraten von 2017 gegenüber den Diagnosen 2009. Ein kleiner Startwert kann genauso zu einer großen Steigerung führen wie eine veränderte Kultur beim Zigarettenkonsum. Hier scheinen beide Effekte wirksam zu sein. Betrachtet man die Zahl der Patienten mit COPD, so verlaufen die Kuven von Männern und Frauen parallel, stets liegen die Männer rund 1,7%-Punkte vor den Frauen. Entweder erkranken tatsächlich mehr Menschen an COPD oder die Diagnose hat sich verbessert und nun wissen die Patienten früher von ihrer Erkrankung. Das wäre dann sogar ein Vorteil, weil dann die Therapie frühzeitig beginnen kann und der Verzicht aufs Rauchen noch rechtzeitig gelingt.

Quellen:

Deutsches Ärzteblatt (2019a): Zahl der Beatmungspatienten in Deutschland nimmt exponentiell zu. Online veröffentlicht 29.05. 2019


Deutsches Ärzteblatt (2019b)
: COPD wird häufiger diagnostiziert. Online veröffentlicht 25.06. 2019.


Zi (2019)
: Grafik des Monats Juni 2019: Lungenkrankheit COPD wird immer häufiger diagnostiziert: Von 2009 bis 2017 Anstieg um 25 Prozent.

Erstellt am 1. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2019

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Starker Tagesgang der Temperatur

Morgens noch erfrischend kühl, vormittags rasanter Temperaturanstieg und ab dem frühen Nachmittag verhindern Hitze und intensive Sonnenstrahlung den Aufenthalt im Freien. Erst abends nach Sonnenuntergang wird es wieder angenehm lau. Was unter Urlaubsbedingungen Entschleunigung und Entspannung verspricht, hemmt im Alltag Motivation und Konzentration - ein starker Tagesgang der Temperatur. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Selbstachtung ist der beste Weg zum Wohlbefinden

Positives Denken und Proaktivität sind moderne Schlagworte für ein altbekanntes Phänomen: Wer mit Optimismus und einem konkreten Plan in die Zukunft blickt, kann sich mit großer Wahrscheinlichkeit über sein gelungenes Leben freuen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich der eigenen Person, den Mitmenschen und der eigenen Umwelt aktiv zuwendet - dass man Achtsamkeit übt. weiterlesen...


Schmerzsensibel wie ein Neandertaler

Nach langer Koexistenz mit modernen Menschen (Homo sapiens) verschwanden die Neandertaler (Homo neanderthalensis) vor rund 40.000 Jahren als eigenständige Art. Doch damals fruchtbare Paarungen zwischen beiden Menschenarten bewirkten, dass heutzutage im Genom der Europäer (und ihrer Nachfahren auf anderen Kontinenten) noch Neandertalergene nachweisen werden können. Eines dieser artfremden Gene senkt die Schmerzschwelle von modernen Menschen vom europäischen Ökotyp. weiterlesen...


Religiöse Rituale reduzieren Angst und Stress

Angst ist eine mächtige Emotion, die durch die Erwartung von Bedrohungen und Katastrophen ausgelöst wird und Stress auslöst - und so messbar mit den somatischen Stresssymptomen verbunden ist. Schon in der Frühzeit der Erforschung universeller Kulturphänomene postulierte der polnischen Sozialanthopologe Bronislaw Malinowski (1884 - 1942), dass magisch-religiöse Rituale geeignet sind aktiven Einfluss auf unkontrollierbare Bedrohungen vorzutäuschen und so die überwältigende Angst abzuschwächen. weiterlesen...


Dankbarkeit verbessert auch das eigene Wohlbefinden

Weniger Stress, innere Ruhe und Achtsamkeit verbessern das psychische Wohlbefinden. Dabei wird oft übersehen, dass es nicht genügt, sich frei von Zumutungen, Drangsal und Leid zu fühlen. Für Menschen sind Zuversicht und verlässliche soziale Bindungen wichtige Wohlfühlfaktoren. Wer positive Erlebnisse erkennt, senkt den Stress. Eine erfolgversprechende Strategie ist es, Dankbarkeit zu üben. weiterlesen...