Wetter

Agile Affenhitze anstelle schlotternder Schafskälte

von Holger Westermann

Affen-Kinder

Die Zeit der Schafskälte umfasst die Woche vor und nach dem 11. Juni und markiert einen deutlichen Temperaturrückgang, der im Bergland auch mit Frost am frühen Morgen verbunden sein kann. Für die Schafe auf dem Almen, insbesondere Muttertiere und Lämmer, kann der Temperaturrückang durchaus lebensbedrohlich sein. Heuer (in diesem Jahr) ist dieses Risiko gering. Das Wetter gebärdet sich vielmehr wie eine wilde Affenbande, mit Hitzegewittern, Wasserschlachten, Licht und Lärm an Himmel. Im Osten Mitteleuropas versengt und verdorrt der stete Sonnenschein die Landschaft.

Im Juni werden die lichten Tage nur noch unmerklich länger. Wo die Böden bereits tiefgründig Wärme gespeichert haben und der Einfluss kühlender Großgewässer weit entfernt wirkt, kann man bereits ausgedehnte laue sommerliche Abende genießen. Selten war das hierzulande bereits vor Sommerbeginn möglich. Während weite Landschaften von der Sonne verwöhnt werden, toben mancherorts heftige Gewitter, die durch Starkregen, Hagel und Sturmböen Überschwemmungen und Erdrutsche oder gar Murenabgänge auslösen.

Seit rund drei Wochen wird das ungewöhnlich warme Wetter hierzulande durch eine sehr stabile großräumige Luftdruckverteilung bestimmt. Von einzelnen kurzzeitige Störungen abgesehen blockiert ein sich immer wieder regenerierendes Hochdruckgebiet über Nordeuropa die derzeit sehr schwachen Atlantiktiefs. Keines war bislang in der Lage den Hochdruckkomplex beiseite zu schieben. So dominiert hierzulande feuchtwarme subtropische Luft. Die Luftdruckgegensätze und sind sehr gering, es bleibt weitgehend windstill und in der bodennahen Luft sehr heiß.

Damit kann sich Tag für Tag das spektakuläre Gewitter-Schauspiel wiederholen: Vormittags erwärmt sich die feuchte Luft, bis sich ab dem Mittag Quellbewölkung ausbildet. Am Nachmittag entladen sich schließlich zuerst über dem Bergland, später auch im Flachland unwetterartige Gewitter. Da derzeit keine Tiefdruckgebiete mit ihren Frontensysteme die Atmosphäre strukturieren, verteilen sich die Wettereskalationen weitgehend zufällig über die Landschaft. Durch die langsame Zuggeschwindigkeit der Gewitter (keine Fronten, kein Wind) konzentriert sich der gesamte Niederschlagsmenge auf ein eng begrenztes Gebiet. So können Überschwemmungen Orte fluten, während in der Nachbargemeinde kaum Regen fällt.

Die verheerenden Platzregen zeigen eindrucksvoll, wie viel Wasser derzeit in der Luft enthalten ist. Bevor sich Gewitterwolken in der Atmosphäre türmen macht sich die Feuchte als Schwüle bemerkbar. Je wärmer die Luft wird, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Die selbe Menge Wasserdampf (10g/m3) bewirkt in 35°C heißer Luft eine relative Luftfeuchte von rund 25% und bei 20°C von rund 60%. Wird es am Nachmittag wieder kühler steigt daher die relative Luftfeuchte rasant an, die Temperatur fühlt sich wärmer an (auch wenn das Thermometer bereits weniger anzeigt). Denn bei hoher relativer Luftfeuchte kann kaum noch Wasserdampf an die Umgebung abgegeben werden. Der Schweiß verdunstet nicht mehr, sondern rinnt wirkungslos am Körper herab, die Haut wird nicht mehr gekühlt und der Blutstrom kann keine Körperwärme abgeben. Deshalb leiden viele Menschen unter der drückenden Schwüle am Nachmittag.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es hierzulande schwül und gewitterträchtig. Der Schwerpunkt, wo sich besonders heftige Gewitter bilden, wechselt täglich. Dabei wird nun auch der Osten Mitteleuropas einbezogen, der bislang vor allem unter Dürre litt. Die Agilität der Affenhitze zeigt sich in der Vertikalen, in den sich rasant auftürmenden Gewitterwolken - ganz so, wie man es von den kletterfreudigen Tieren erwartet.

Quellen:

Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Der Juni. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 31.05.2018

Dipl.-Met. Dr. Markus Übel: "Gewittersumpf" - eine feucht-warme Wetterwoche. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 01.06.2018

Erstellt am 1. Juni 2018
Zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2018

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Hitzewarnung bei schwach bewölktem Himmel

Nicht klirrende Kälte oder nasskaltes Wetter birgt die höchsten Gesundheitsrisiken, sondern hochsommerlicher Sonnenschein und schweißtreibende Schwüle. Heiße Luft, Strahlungswärme, wenig Wind und UV-Strahlung sind die relevanten Wetterparameter; die Gesundheit belasten Probleme bei der Regulation von Körpertemperatur und Wasserhaushalt sowie Sonnenbrand und in Summe dieser Beschwerden der Hitzschlag. weiterlesen...


Admarker

Menschenswetter unterwegs

Menschenswetter unterwegs weiterlesen...


Schlaffe Harnleiter transportieren Nierensteine auch nicht schneller

Es ist sehr schmerzhaft, wenn Nierensteine in einen Harnleiter gelangen und langsam Richtung Harnblase ausgeschieden werden. Die überraschend auftreten Koliken können Betroffene nur mit starken Schmerzmitteln ertragen. Zusätzliche Hilfe versprach ein Medikament, das die glatte Muskulatur der Harnleiter beeinflusst und damit die schmerzprovozierende Passage erleichtert - diese Hoffnung hat sich leider zerschlagen. weiterlesen...


Admarker

Kopfschmerzen - was hilft?

Doc Esser - Das Gesundheitsmagazin

Doc Esser - Das Gesundheitsmagazin, Dr. Heinz-Wilhelm Esser trifft unserem Menschenswetter-Redakteur Holger Westermann im ARD-Wetterstudio. Die TV-Sendung des WDR vom Montag, 16. April 20:15 Uhr können Sie jetzt in der Mediathek der ARD hier ansehen.


Lieber mopsfidel als todtraurig

Der Effekt tritt mit Verzögerung auf, doch während einer mehrjährigen Therapie mit Antidepressiva gewinnen einige Patienten deutlich an Körpermasse. Vor allem im zweiten und dritten Behandlungsjahr steigt die Wahrscheinlichkeit zumindest 5% Gewicht zuzulegen. Problematisch ist dabei, dass Adipositas ein wirkmächtiger Risikofaktor für Depression ist. weiterlesen...


Mückenstich quält tagelang

Die Einstichstelle beginnt zu jucken, wenn das blutgierige Insekt bereits abgeflogen ist. Denn der Mückenspeichel enthält Substanzen, die wie ein Lokalanästhetikum wirken und die Haut ringsherum betäuben. Für die Stechmücke ist das ein wirkungsvoller Schutz gegen schlagkräftige Reaktionen des Opfers. Für das Immunsystems des angezapften Körpers aber oftmals Auslöser für eine langwierige Entzündungsreaktion. weiterlesen...