Experimente mit Mäusen identifizieren altersbedingte Veränderungen im Gehirn

Betagte beklagen schwindende Nachtruhe

von Holger Westermann

Gerade ältere Menschen empfinden ihren Schlaf als wenig erholsam; in früheren Phasen der Biographie sei die Schlafqualität besser gewesen und tagsüber habe man nur selten Müdigkeit gespürt. Bislang wurde für diesen Effekt die im Vergleich zu jüngeren Jahren geringere körperliche Aktivität und die zahlreichen Ruhephasen im Tagesverlauf verantwortlich gemacht. Dazu gesellt sich nun ein weiterer Effekt: Das Tageslicht verliert sukzessive seine Wirkung als Taktgeber für den Tag-Nacht-Rhythmus.

Eine robuster Tag-Nacht-Rhythmus gilt als Voraussetzung für erholsamen Schlaf. Menschen, die aufgrund ihres Berufs oder aus anderen Gründen langfristig die „Nacht zum Tag machen“, klagen über Schlafstörungen und leiden häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt unter Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Problemen. Der Gleichtakt von Tag-Nacht- und Wach-Schlaf-Rhythmus ist Voraussetzung für nahhaltiges Wohlbefinden und Gesundheit.

In einer experimentellen Untersuchung an Mäusen konnten Forscher der Medway School of Pharmacy der Universität Kent (Großbritannien) zeigen, dass die Steuerung des Tag- Nacht und damit des Wach-Schlaf-Rhythmus im Gehirn (Nucleus suprachiasmaticus, SCN) mit fortschreitender Biographie verändert. Ein spezieller Rezeptor für den Botenstoff Glutamat (NMDA), der zur Übertragung von Lichtinformation an den SCN dient, funktioniert mit den Lebensjahren immer weniger effektiv, so dass die Tag-Nacht-Rhythmik nicht mehr zuverlässig auf „Start“ zurückgestellt wird.

Die Forscher sehen in diesem Effekt einen natürlichen Alterungsprozess. Als wichtigen Aspekt betonen sie die Erkenntnis, dass nicht allein auf die allgemein zu geringe körperliche Anstrengung (vulgo Bequemlichkeit) oder die Ruhephasen im Tagesverlauf die nachlassende Schlafqualität verursachen, sondern auch die nachlassende Leistung des NMDA. Nach aktueller Kenntnis können die Menschen die Prozess nicht verzögern, weder durch Sport noch durch besser Schlafhygiene.

Quellen:

Biello, S.M. et al. (2018): Alterations in glutamatergic signaling contribute to the decline of circadian photoentrainment in aged mice. Neurobiology of Aging 66: 75 – 84. DOI: 10.1016/j.neurobiolaging.2018.02.013.

Erstellt am 28. Mai 2018
Zuletzt aktualisiert am 28. Mai 2018

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