Wetter

Glatteis weil der Dauerfrost endet

von Holger Westermann

Gartenzwerg bei Frost

Die bislang stabile Hochdruckwetterlage in Mitteleuropa wird durch ein kleines Bodentief gestört. Die mit ungewohnter Dynamik neu angestoßene Luftmassenzirkulation führt im Süden feuchtwarme Luft heran, die erst Regen und dann Tauwetter mit sich bringt. Fällt der Regen auf gefrorenen Boden bildet sich Glatteis. Im Norden und Osten dringt dagegen ein Schwall Kaltluft bis zur Nordseeküste; dort fällt noch einmal Schnee.

Seit Mitte Januar bestimmen Hochdruck das Wetter in Mitteleuropa (Geringe Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum). Dabei handelt es sich nicht um westwärts ausgreifende Russlandhoch, wie es für winterliche  Die Hochs „Brigitta“, „Christa“ und „Doris“ sind über dem nördlichen Mitteleuropa entstanden und wanderten langsam südostwärts. Jedes dieser kleinen Hochdruckgebiete bestimmte für vier bis fünf Tage das Wetter hierzulande. Wo sich nach zumeist sternklarer Nacht der frühmorgens verdichtende Nebel rasch lichtete war es tagsüber durchweg sonnig - aber sehr kalt. Weite Landschaften lagen unter Dauerfrost. Im Österreich wurden kurzzeitig extrem niedrige Werte von unter -20°C gemessen. Bayern registrierte bislang den kältesten Winter seit 30 Jahren. Durch die Zugbewegung der vergleichsweise kleinräumigen Hochdruckgebiete trat eine geringe horizontale Luftmassenbewegung auf, die auch immer wieder mildere Luft heranführte. Wobei es durchweg sehr trocken blieb. Die Niederschlagsmengen waren allerorten unterdurchschnittlich.

Nun zieht das kleine Bodentief „Hubert“ (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) über den Norden Deutschlands hinweg.

An seiner Südflanke wird mit einer Südwestlichen Strömung milde Atlantikluft herangeführt. Im Osten und Norden fließt dagegen weiterhin kalte Festlandsluft ein. In Süddeutschland, später auch in Österreich zieht ein Regengebiet durch. Nachfolgen wird es spürbar wärmer. Frostkalt ist es dann nur noch nachts; tagsüber kann das Thermometer gebietsweise über +10°C steigen. Bei warmen Wind setzt auch im Bergland intensives Tauwetter ein. Das Schmelzwasser kann nich tim gefrorenen Boden versickern und fließt oberirdisch ab - nachdem sich zunächst eine Eisschicht gebildet hat. Je weiter die Regenfront nach Osten und Südosten vorankommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Regen auf gut durchgekühlten Böden fällt. Im Raum Nürnberg (Bayern) ist er bis 50cm tief gefroren; ein sehr wirksamer Kühlakku für die Glatteisbildung.

Auch in den geschützten Mittelgebirgslagen setzen sich die milderen Luftmassen nur zögerlich durch. Geht der Schnee in Regen über wird es auch hier vorübergehend glatt. Zwischen dem Kasseler Bergland und dem Werratal (Nordosthessen und Südthüringen) bis zum Bodensee (Baden-Württemberg) und vom Erzgebirge (Sachsen) bis zur Donauregion Österreich) muss mit so intensiver Glatteisbildung gerechnet werden, dass Unwetterwarnungen ausgesprochen werden. Wo genau die besonders betroffenen Gebiete liegen kann aber erst kurzfristig mitgeteilt werden. Für eine besonders gefahrträchtige Eisbildung müssen die Faktoren Niederschlag, Lufttemperatur und Bodenkälte in engen Grenzen zusammenwirken. Gerade in Mittelgebirgsregionen bildet sich eine sehr heterogene Temperaturlandschaft. In einigen Tälern sammelt sich schwere und damit wasserähnlich zusammenfließende Kaltluft von den umgebenden Höhen, aus anderen fließt sie ab in die Ebenen und die Landschaft erwärmt sich rasch. Nach der kurzen Glatteisepisode aufgrund der niederschlaggarnierten Warmlufteinstroms wird es südwestlich der Linie  Harz-Röhn-Bayrischer Wld spürbar wärmer.

Eine gefühlte Rückkehr des Winters erleben dagegen die Menschen an der Nordflanke von „Hubert“. Im Norden und Osten Deutschlands fällt noch einmal Schnee oder Schneeregen. Gebietsweise muss mit 5 bis 10cm Neuschnee gerechnet werden, der nur kurzzeitig liegen bleibt und alsbald in Schneematsch übergehen wird. Im Osten und Norden des Harz bleibt es zwischen 0 und maximal +4°C kühl; im Süden und Westen wird es zwischen 4 und 9°C (mit ansteigender Tendenz) vergleichsweise mild.

Für wetterempfindliche Menschen kann der grundlegende Wetterwechsel Einschränkung der Motivations- und Leistungsfähigkeit sowie Konzentrationsproblemen oder Kopfschmerzen hervorrufen. Herz-Kreislauf-Patienten sollten sich vor der blutdrucksteigernden Wirkung des Kaltlufteinstroms schützen; im Süden und Westen dürfen sie durch die mildere Temperatur auf eine Linderung ihrer Beschwerden hoffen. Insgesamt ist der hoch dynamische Wetterwechsel aber eine besondere Belastung für Menschen, die unter chronischen Gesundheitsbeschwerden leiden. Wenn möglich sollte man an den kommenden Tagen besonders intensive körperliche Belastungen meiden.

Quellen:

Dipl.-Met. Christoph Hartmann: Ende der winterlichen Hochdrucklage. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 29.01.2017

MSc.-Met. Sebastian Schappert: Tief "HUBERT" sorgt für eine bunte Warnkarte. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 30.01.2017

Erstellt am 30. Januar 2017
Zuletzt aktualisiert am 30. Januar 2017

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