Nüsse liefern gesundes Fett

Studentenfutter senkt Gesundheitsrisiken

von Holger Westermann

Mensa-Stammessen oder die Ernährung aus dem Pizzakarton ist damit jedoch nicht gemeint, sondern der Knabber-Klassiker: Gemischte Nüsse mit Rosinen. Schon 20 g pro Tag reduzieren das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Infektionen und womöglich auch einige Krebserkrankungen. Ein noch besserer Effekt lässt sich durch Salat mit Olivenöl erreichen, doch das ist nicht für alle Studenten eine erwägenswerte Alternative.

Zwei Studien widmen sich der positiven Wirkung täglicher Nussknabberei. Ob auch nusshaltiges Weihnachtsgebäck oder Nusskuchen die Gesundheit fördern wurde nicht explizit erwähnt, ist aber wahrscheinlich. Dabei definierte man den Begriff „Nuss“ kulinarisch und nicht botanisch. Neben echten Nüssen wie Walnüsse, Haselnüsse, Pekannüsse und Macadamianüsse lassen die Forscher auch Pistazien und Cashewkerne (Steinfrüchte von Sumachgewächsen, wie beispielsweise auch der Mangobaum), sowie Erdnüsse (Hülsenfrucht) aber auch Mandeln (Kern einer Steinfrucht) und oder Paranüsse (solide Samen eines Topffruchtbaumgewächses) gelten. Gemeinsam ist diesen „Nüssen“, dass sie im Vergleich zu anderen Nahrungsmitteln überdurchschnittlich Magnesium, mehrfach ungesättigte Fette, Vitamin E und Antioxidantien (auch als Radikalfänger bekannt) enthalten. Weitere Nuss-Bestandteile, denen eine besondere Wirkung auf die Gesundheit, insbesondere auf die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankungen, zugeschrieben wird, sind Ellagsäure, Anacardsäure, Genistein, Resveratrol und Inositolphosphat.

Im Fokus der beiden Studien standen jedoch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das Risiko einen Infarkt am Herzen oder im Gehirn zu erleiden. Die erste Meta-Analyse der Technisch-Natur­wissen­schaftlichen Universität Norwegens in Bergen stützt sich auf 29 wissenschaftliche Veröffentlichungen (aus 20 Studien bis zum 19.07.2016) mit insgesamt 819.448 Teilnehmern. Alle Studien bezogen sich auf Erwachsene, lediglich eine Studie untersuchte auch Jugendliche und umfasste die Altersgruppe von 16-79 Jahren. In drei Studien wurden ausschließlich Männer, in fünf Studien nur Frauen untersucht, in 12 Studien beide Geschlechter. Neun Studien stammten aus den USA, sechs aus Europa, vier aus Asien und Australien. In diesem umfangreichen Datenkollektiv wurden 12.331 koronare Herzerkrankungen, 9.272 Schlaganfälle, 18.655 kardiovaskuläre Krankheitsfälle, 18.490 Krebserkrankungen und 85.870 Todesfälle registriert.

Auf Grundlage dieser breiten Datenbasis ermittelten die Forscher statistisch signifikante Effekte für eine nachhaltige Gesundheitsverbesserung. Das Risiko für koronare Herzkrankheit (Angina pectoris) sank um 24%; das Schlaganfall-Risiko um 11%. Insgesamt schwand durch den Nuss-Genuss das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 19%. Die Wahrscheinlichkeit an einer Krebserkrankung zu sterben sank um 18%. Wurden regelmäßig eine größere Portion Nüsse gegessen (28g pro Tag), konnte dieser positive Effekt sogar noch gesteigert werden. Die Forscher stellten, mit Ausnahme des Risikos einen Schlaganfall zu erleiden, eine lineare Korrelation zwischen der konsumierten Menge Nüsse und der Risikoreduktion fest. Zudem reduzierte die tägliche Nussration die Sterblichkeit durch Atemwegs­erkrankung um 52% und das Typ-2-Diabetes-Risiko um 39%, das Risiko für Infektionskrankheiten sank sogar um 75%. Für andere Erkrankungen wie neurodegenerative Erkrankungen (Demenz, Bewegungsstörungen) und Nierenerkrankungen zeigte sich ein Trend zur Risikoreduktion.

Die zweite Veröffentlichung nutzte die Daten der REDIMED-Studie (Prevención con Dieta Mediterránea), die in den Jahren 2003 bis 2010 an elf spanischen Krankenhäusern von 7.447 Patienten (55 bis 80 Jahre alt) mit Typ 2-Diabetes oder andere kardio­vaskuläre Risikofaktoren erhoben wurden. Im Gegensatz zur ersten Studie waren hier ausschließlich Risikopatienten vertreten. In einer Interventionsstudie (im Gegensatz zum Kohortendesign der ersten Studie) wurden den Patienten drei unterschiedliche Diäten angeboten - und deren Auswirkungen auf die Gesundheit miteinander verglichen.

In der ersten Gruppe erhielten die Patienten jede Woche kostenlos eine Flasche Olivenöl, das sie für die täglichen Mahlzeiten nutzen sollten. In der zweiten Gruppe sollten die Teilnehmer mit der Olivenöl-Kost täglich zusätzlich 30 Gramm Nüsse essen. Patienten der dritten Gruppe wurde von den Diätassistenten betreut, die sie bei der Umstellung auf eine fettreduzierte Diät unterstützten, um damit Übergewicht und das Herz-Kreislauf-Risiko nachhaltig zu reduzieren.

Erwartungsgemäß betrug der Beitrag von Fetten zur Kalorienbilanz der Ernährung in der ersten Gruppe 41,8%, in der zweiten Gruppe durch die zusätzlichen Nussöle 42,2% und dank der gelernten Fettvermeidung in der dritten Gruppe lediglich 37,4%. Doch die erhoffte Gewichtsreduktion und Gesundheitsbesserung korrelierte wider Erwarten nicht mit dem Fettgehalt der Ernährung. Hier erwiese sich die bewusst fettarme Ernährung als besonders wenig effektiv. Patienten der Olivenöl-Gruppe 1 hatten nach fünf Jahren durchschnittlich 0,43kg mehr abgenommen und der Taillenumfang schwand 0,55cm mehr. Doch noch besser schnitt die Ölivenöl-Nuss-Gruppe 2 ab; diese Patienten hatten nach fünf Jahren zwar nur 0,08kg weniger Gewicht als die Patienten mit fettarmer Kost, doch die Taille war um 0,94cm schlanker. Die Forscher führen diesen Effekt (nur wenig weniger Körpermasse aber deutlich weniger Bauchumfang) auf den Abbau des viszeralen Fettgewebes zurück. dieses Eingeweidefett gilt als wirksamer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Die Ergebnisse dieser beiden Studien widerlegen die landläufige, auch bei Ärzten populäre Annahme, dass die gesundheitsförderliche Gewichtsreduktion nur durch eine fettarme Diät möglich sei. Nüsse können trotz ihrer hohen Energiedichte zu einer gesunden Ernährung beitragen - jedoch nicht in Form von Nuss-Nougat-Creme (die enthält erhebliche Mengen Zucker und Nicht-Nuss-Fette), sondern als Nussmischung oder Studentenfutter.

Die Erwartungen an positive Gesundheits-Effekte sollten aber nicht übermächtig werden. Darauf weist ein Nachtrag zum Menschenswetter Artikel 921 hin, der zur kritischen „Unstatistik der Monats“ von Prof. Dr. Gerd Gigerenzer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) verlinkt. Hier wird anschaulich dargestellt, dass bei seltenen Ereignisse wie Schlaganfälle schon geringer Veränderung der Ereigniszahlen bereits enorme Veränderungen der Risikoquoten ausweisen. So erlitten beispielsweise in der ersten Studie unter 819.448 Teilnehmer lediglich 9.272 Menschen einen Schlaganfall. Das entspricht einer Quote von 1,13%. Die Risikoreduktion um 11% bedeutet in absoluten Zahlen, dass rund 1.020 Menschen weniger betroffen sind; die Quote sinkt um 0,12 Prozentpunkte auf 1,01%. Dieses Ergebnis ist bei hinreichend großer Patientenzahl immer noch statistisch signifikant, spektakulär und relevant ist es nicht unbedingt.

Da leckere Knabbereien als „gesunde“ Nahrungsmittel empfohlen werden, verbinden sich kurzweiliger und langfristig wirksamer Effekt zur Verbesserung des Wohlbefindens.

Quellen:

Aune, D. et al. (2016): Nut consumption and risk of cardiovascular disease, total cancer, all-cause and cause-specific mortality: a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMC Medicine 14: 207. DOI: 10.1186/s12916-016-0730-3

Estruch, R. et al. (2016): Effect of a high-fat Mediterranean diet on bodyweight and waist circumference: a prespecified secondary outcomes analysis of the PREDIMED randomised controlled trial. The Lancet Diabetes & Endocrinology, online veröffentlicht am 06.06. 2016. DOI: 10.1016/S2213-8587(16)30085-7.

Westermann, H. (2014): Mediterrane Kost schützt vor Durchblutungsstörungen. Menschenswetter Artikel 921, online veröffentlicht am 23.01.2014.

Erstellt am 9. Dezember 2016
Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2016

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